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„Ich bin einfach zu cool für diese Welt“ sagt er und pupst versehentlich. Es ist wieder einer dieser Momente, in denen Bernds Selbstbild von einer gewissen Sache namens Realität verprügelt wird. Er steht gerade vor'm Spiegel und betrachtet seine in ein „Muskelshirt“ verpackte „adonische Physis“, wie er es formulieren würde, womit er beim Wettbewerb der größten Euphemismen der Menschheitsgeschichte wohl das Rennen machen würde, obwohl das Wort „Rennen“ im Hinblick auf Bernds Sportlichkeit auch ein guter Anwärter wäre.

Ja, Bernd hat die Suppe der Coolness mit Stäbchen gegessen. Doch Bernd ist einer dieser Menschen, denen ein stählernes Selbstbewusstsein zum Schutz vor seiner eigenen Trotteligkeit in die Wiege gelegt wurde. Einmal hat er sich, nachdem er in einem italienischen Nobelrestaurant mit seinem Stuhl gekippelt, das Gleichgewicht verloren und die Tischdecke samt Pizza und Wein mit sich gerissen hatte, zunächst beim heraneilenden Ober, dann beim Inhaber des Restaurants, den Bernd vehement gefordert hatte, über die unzureichende „Kippelfähigkeit“ der Stühle und die „enttäuschende“ Grifffestigkeit der Tischdecken beschwert. Er werde einen ausführlichen Bericht schreiben und ihn in einem renommierten Online-Restaurant-Bewertungsportal veröffentlichen, versprach er und hielt sein Wort. Der Text wurde allerdings nach drei Tagen aufgrund von wiederholten Spam-Markierungen von der Website entfernt.

Bernd steht also in seinem Badezimmer und bestaunt ein Detail in seinem Gesicht, auf das er besonders stolz ist. Vertikal durch Nase und Oberlippe und horizontal durch markante Lachfalten begrenzt, macht sich ein haariges, in Prägnanz und Dichte kaum zu übertreffendes Gebilde breit, das mehr als andere seiner Art den Namen Schnauzbart verdient hat. Die Tatsache, dass der Brauch, sich den Schnauzbart wachsen zu lassen höchstens in Zeiten von Magnum, Queen und Paul Breitner als modern und in der Folgezeit zunehmend als albern galt, stört Bernd nicht. Des Öfteren weist er darauf hin, dass gestandene und in der Gesellschaft anerkannte Männer wie Heiner Brand oder Ingo Lenßen Schnurrbart tragen. Bernd ist wirklich stolz auf das, was er liebevoll auch seinen „Schnotzen“ nennt. Sein Freund Otto hat ihn mal darauf hingewiesen, das „Schnotzen“ ein Mischwort aus Schnäuzer und Rotzen sein könnte, und er bei dem Wort an die im Bart verbliebenen Reste nach einem Schnäuzvorgang denke. Doch das hat Bernd nicht davon abgebracht seine „Pracht“ weiterhin als Schnotzen zu bezeichnen.

Sanft streicht er sich mit kleinem und Zeigefinger erst die Augenbrauen, dann die Schnäuzerhälften in Wuchsrichtung zurecht. Den Blick, den Bernd dabei macht, ein leichtes Schürzen der Lippen in Kombination mit lässigem Stirnrunzeln, erachtet er als überaus verführerisch. Er gleitet mit der rechten Hand durch seine mit hinreichend viel Gel gestylten Haare, als es plötzlich und unerwartet an der Tür klingelt. "Nicht schon wieder Frau Krawollny!". Frau Krawollny, Bernds Nachbarin, die trotz ihres hohen Alters erstaunlich gut hören kann und es sich aufgrund ihres abwechslungsarmen Rentnerdaseins zur Aufgabe gemacht hat, Bernd regelrecht zu beschatten, hat bereits am Morgen geschellt und Bernd darauf hingewiesen, dass er doch bitte seinen Wecker ein bisschen leiser stellen möchte, schließlich könne sie ja ausschlafen. Da Bernd sich nicht auf eine typische, nicht enden wollende Diskussion mit Frau Krawollny einlassen wollte, gab er klein bei und versicherte ihr, den Wecker in Zukunft leiser zu stellen. "Was ist denn nun schon wi-" Als Bernd die Tür aufmacht, verschlägt es ihm die Sprache. Nicht Frau Krawollny steht ihm gegenüber. Mit offenem Mund starrt er die Person an, mit der er am wenigsten gerechnet hat.

7.3.15 01:30
 


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